Wie Pflege ich meine Kakteen?

Zu Beginn möchte ich erst einmal klar stellen, dass alles was ich hier zur Pflege meiner Kakteen schreibe ausschließlich meine Erfahrungen sind. Das soll heißen: "So pflege ich meine Kakteen !" Wie Ihr Eure Pflanzen pflegt, das müsst Ihr schon für Euch selbst entscheiden. Alles hier geschriebene soll nur als kleine Orientierung dienen und soll nicht heißen: "So und nur so wird es gemacht!" Da bei jedem die Bedingungen anders sind, ist zwangsläufig auch bei jedem die Pflege etwas anders!

Es gibt Gattungen und Arten die bei mir überhaupt nicht wachsen wollen und umgekehrt.

Standort

Hier kommt es bei mir darauf an ob es sich um Kakteen im eigentlichem Sinne handelt, oder um die anderen Sukkulenten. Ich habe das Jahr hier in zwei Teile geteilt, die Wachstumszeit (April-Oktober) und die Ruhezeit (November-März). Das soll aber nicht heißen, dass es dabei nicht zu Abweichungen kommen kann. Je noch Witterung werden meine Pflanzen im Frühjahr eher ausgeräumt, oder im Herbst später eingeräumt.

November-März

Das ist in der Regel die Ruhezeit meiner Pflanzen. Alle Kakteen werden bei mir bei ca.2-5°C überwintert. Das funktioniert aber auch nur, weil der Großteil meiner Pflanzen aus folgenden Gattungen besteht:

Alle Pflanzen werden in mein kleines Glashaus eingeräumt, das hat zur Folge, dass ich im Winter nicht an meine Pflanzen kann. Ich kann leider nur kurz die Türe öffnen und einen flüchtigen Blick über meine Sammlung werfen. Alles Technische funktioniert über Fühler und Thermostate.

Beheizt wird dieses Glashaus elektrisch mit einem Heizgebläse. Als Notfallheizung habe ich die Möglichkeit kurzfristig einen Propangasbrenner ins Haus zu stellen.

Kurzfristige Temperaturstürze unter Null machen meinen Pflanzen nicht aus da sie ja seit Anfang September völlig trocken gehalten werden. Bei einem Heizungsausfall im Januar 2005 hatte ich über 3 Tage eine Nachttemperatur von minus 9°C im Glashaus und hatte keine Verluste, außer einen fußballgroßen Grusonii. Dieser bekam Kälteflecken und sah im Frühjahr nicht mehr schön aus, also wurde er auf den Komposthaufen ausgelagert.

Was die anderen Sukkulenten angeht, die werden bei mir im Wohnhaus an den Fenstern überwintert. Diejenigen die es etwas wärmer wollen, stehen an den Wohnzimmerfenstern und in der Küche. Alles andere im Schlafzimmer bei ca.10°C.

April-Oktober

Im April, manchmal etwas eher - manchmal etwas später, werden meine Sulcorebutien in ein unbeheiztes Foliezelt geräumt. Die Rebutien, Mediolobivien, Aylosteras, Echinopsen und Lobivien kommen direkt ins Freie, nur mit Folie überdacht als Regenschutz.

Im Glashaus bleiben nur die Echinocereen ( es handelt sich hierbei fast ausschließlich um Niederkalifornier), ein paar Mammillarien (Überbleibsel aus meinen Anfängerzeiten und schöne Erinnerungen) und den ganzen Rest an Einzelstücken und Sämlingen etc.

Ich muss zu dem Foliezelt in dem meine Sulcorebutien stehen noch etwas sagen: Es ist nicht ideal! Besser wäre es die Sulco´s in einem Frühbeet oder Hochfrühbeet zu pflegen. Erstens bekommen die Sulco´s relativ spät die Sonne zu sehen, weil rund herum alles verbaut ist, zweitens heizt sich das Foliezelt zu schnell auf. Ich habe zwar schon auf Höhe der Tische die Folie durch sog. Karnickeldraht ersetzt, aber das reicht scheinbar noch nicht aus. An einer besseren Lösung wird noch gearbeitet.

Gießen

Wie gießt man Kakteen und andere Sukkulenten? Gute Frage!

Ich für meinen Teil sprühe alle Kakteen im Glashaus im Februar (wenn es draußen nicht zu kalt ist und die Sonne scheint) einmal richtig kräftig mit heißen Wasser. Heiß bedeutet bei mir: so wie es aus der Leitung kommt. Mein Heizkessel ist auf 60°C eingestellt. Also sagen wir einmal bis es aus der Leitung kommt sind es vielleicht noch 57°C und wenn ich es dann im Glashaus zerstäube vielleicht noch 45-50°C. Wenn es auf die Pflanzen trifft, ist es zwar noch immer sehr warm, aber nicht mehr so heiß, dass es den Pflanzen gefährlich werden könnte. Dabei sprühe ich so, dass die Pflanzen tropfnass werden, das Substrat aber weitgehend trocken, schlimmsten falls oberflächlich nass wird! Ich mache das schon seit mehreren Jahren so und habe bis jetzt noch nie einen Nachteil, aber schon eine Menge Vorteile bemerkt. Zum Einen werden die Pflanzen aus der Winterruhe geweckt, sie straffen sich etwas, die Knospenbildung wird angeregt und zum Anderen wird der Winterstaub abgewaschen.

Das eigentliche Gießen beginnt bei mir erst wenn die Pflanzen an ihren Sommerstandort geräumt worden. Das erste Gießen fällt dann immer besonders kräftig aus. Das zweite Gießen passiert dann allerdings gezielter. Einige Pflanzen wollen erst wieder Wasser wenn die Knospen ihre Farbe zeigen, denn oft ging es mir so, dass bei zuviel Wasser die Knospen einfach wieder eingezogen worden. 

In der Zeit von etwa April bis Anfang - Mitte Juni gieße ich immer in den Morgenstunden. In den Morgenstunden deshalb, damit die Pflanzen bis zu den doch noch kalten Abenden wieder abtrocknen können. Danach bis Ende September in den Abendstunden. Der Grund hierfür, die Pflanzen nehmen bei höherer Lufttemperatur kein Wasser mehr auf. Abends ist es etwas kühler und außerdem scheint die Sonne nicht mehr oder nicht mehr so intensiv. Die Pflanzen können nicht verbrennen. Und noch etwas: Regnet es in der Heimat der Kakteen wenn die Sonne scheint? Also wozu die Pflanzen gießen wenn sie es gar nicht erwarten!

Düngen

  1. Erst einmal, womit dünge ich überhaupt?
  2. Und wie dünge ich?
  3. Wann ist die Zeit dafür?

Diese drei Fragen sind gar nicht so einfach zu beantworten! Doch ich will es versuchen!

zu 1.)    Ich dünge mit Wuxal Super. Dann kommen noch diverse Mittelchen dazu die landläufig auch als Pflanzenstärkungsmittel bezeichnet werden. Das sind unter anderem: Brennnesseljauche (BJ), Schachtelhalmkonzentrat (SHK), Baldrianblütenextrakt (BBE).

zu 2.)    Mit Wuxal dünge ich einmal im Mai und einmal im Juli. Wuxal wird gegossen! BJ verwende ich bei jedem Sprühen und das mache ich meist von Mai bis August fast täglich. SHK und BBE wird auch gesprüht und das etwa einmal im Monat.

zu 3.) Das ist im Prinzip schon in 2tens beschrieben.

Substrat

Mit dem Substrat das ist auch so eine Sache. Bei den anderen Sukkulenten verwende ich eine Stecklingserde mit Ton mit Zusatz von Blähschiefer im Verhältnis 1:1. Stecklingserde deshalb, weil die sehr feinfasrig ist und nicht so grobe Bestandteile enthält wie die "normalen" Blumenerden. Für den Blähschiefer kann man auch etwas anderes verwenden, z.Bsp. Kies, Bims, Lava, Blähton usw. usw.

Für meine Kakteen nehme ich ein Substrat bestehend aus Blähschiefer, Bims, Kies (gewaschenen Sand) und Stecklingserde. Das Verhältnis lässt sich im Prinzip so definieren: 5:5:5:1. 

Vermehrung

Ich vermehre von meinen eigenen Pflanzen eigentlich nur Sulcorebutien und das auch nur mittels Sprosse. Diese nehme ich im Mai oder Juni von der Pflanze ab. Hierbei scheiden sich sowohl beim Zeitpunkt, als auch bei der Art und Weise die Geister. Ich drehe die Sprosse von der Mutterpflanze vorsichtig ab. Andere schneiden sie ab. Wie und wann ist Ansichtssache. Für mich passt es so! 

Aussaat

Zu Aussaat habe ich in unserem Freundeskreis einmal einen Vortrag gehalten. Diese PowerPoint- Präsentation könnt Ihr Euch hier ansehen.

Stecklinge

Wenn ich nun die Sprosse abgenommen habe, dann lasse ich sie ca. 1-2 Wochen zum Trocknen liegen. Danach stecke ich sie in feuchten Bims, Sand oder stelle sie in kleine Tontöpfchen, die wiederum in einer Schale mit etwas Wasser stehen. Alle drei Methoden haben bei mir funktioniert! Nach ca. 3 Wochen stehen die Sprosse auf "Stelzen", d.h. die Wurzeln drücken die Sprosse aus dem Substrat. Wenn man beim Sprosseschneiden bzw.- abdrehen den falschen Zeitpunkt erwischt hat, dann kann es auch schon einmal passieren, dass die Sprosse bis zum nächsten Frühjahr in den Stecklingsschalen stehen. Spätestens in der neuen Wachstumsperiode treiben sie dann aber Wurzeln.

Schädlinge

Woll - bzw. Wurzelläuse:

Ja, die kommen vor und ich bin überzeugt, dass sie in jeder Sammlung vorkommen wo nicht permanent mit Gift gearbeitet wird. Man kann den Läusen nicht alle Wege in eine Sammlung versperren. Vor allem wenn man den Pflanzen einen luftigen Stand während des Sommers gönnt.

Und sind sie einmal da, kommt es auf die Befallsdichte an. Wollläuse kann man bei geringen Befall einzeln ablesen, bei Wurzelläusen kann man es mit einen starken Wasserstrahl aus der Welt schaffen. Ist der Befall aber schon fortgeschritten, dann verwende ich Confidor WG 70. Bei Wollläusen sprühen, bei Wurzelläusen gieße ich schon mal bzw. staue von unten an. Ich musste auch schon die komplette Pflanze in Confidor versenken. Dabei gehe ich wie folgt vor:

  1. warmes Wasser in einen Eimer (ca. 50°C)
  2. ein paar Spritzer Spülmittel ( Fit, o.ä.) dazu
  3. Confidor WG 70 dazu
  4. alles schön verrühren 
  5. Pflanze komplett versenken
  6. 15min bis 30min darin lassen
  7. danach die Pflanze für 1-2 Tage im Schatten stehen lassen
  8. eventuell nach einer Woche Prozedur wiederholen

Rote Spinne (Spinnmilbe):

Auch die hatte ich schon. Bei geringen Befall hilft Kiron oder bei resistenten Stämmen Kanemite. 

Pflanzen einsprühen, schattig stellen und Prozedur 2x nach je 1 Woche wiederholen!

Bei starken Befall kommt es auf die Gattung an. Eine Pflanze die schnell wächst, wie z.Bsp. Rebutia, kann man auch behandeln. Da ist der Schaden nach 2-3 Jahren verwachsen. Bei sehr langsam wachsenden Gattungen, Arten lagere ich die Pflanze schon einmal in den Müllkübel aus.

Der schwarze Pilz:

Ist bei mir zwar selbst noch nicht vorgekommen, aber ich habe schon Pflanzen bekommen an denen er gewütet hat. Man kann zwar versuchen dagegen mit diversen Pilzmitteln vorzugehen, aber das richtige Mittel ist wohl noch nicht gefunden.

Die Pflanzen, welche ich mit dem Pilz bekommen habe, habe ich separat in eine eigene Auffangschale gestellt und weit weg von meiner Sammlung. Man sieht zwar die schwarzen Flecken an den Pflanzen, diese sind aber dem Anschein nach eingetrocknet. Ich habe aber schon bemerkt, dass sie aus welchen Grund auch immer nach einiger Zeit wieder aktiv werden. Wie mir versichert wurde überträgt der Pilz seine Sporen nur über das Gießwasser von Pflanze zu Pflanze. Deshalb der getrennte Aufstellungsort. Bis jetzt (Toi Toi Toi) sind von meinen Pflanzen noch keine betroffen. Könnte also stimmen mit der Übertragung per Gießwasser.

Hat man befallene Pflanzen die einem nicht so ans Herz gewachsen sind oder die keinen großen Wert darstellen, sollte man lieber so vorgehen:

  1. Mülltonne auf
  2. Pflanze komplett mit Topf, Erde und Etikett hinein
  3. Mülltonne zu

 Schimmelpilz:

Das ist so eine Sache. Normaler Weise kommt er nicht in Kakteen - oder Sukkulentensammlungen vor. Aber....!!! Im Winter kann es schon einmal passieren. Hier eine kleine Geschichte:

Es war einmal ein Kakteenfreund der hatte ein kleines Gewächshaus (GWH) das mit den aus DDR-Zeiten bekannten Thermoscheiben eingedeckt war. Nach ein paar Jahren - die Energiekosten stiegen - verkleidete er sein GWH von außen mit der schönen Noppenfolie. Da die Bahnen nur 1,50m breit waren -  sein GWH aber 2,70m lang -  ließ er die Stöße ca.20cm überlappen. Zur Befestigung dienten die dazu gehörigen Befestigungselemente mit Gewinde. Da diese Elemente alle 40cm angebracht waren hielt die Sache gut. Er hatte keinerlei negativen Erfahrungen gemacht, nur dass es etwas dunkler im GWH war als vorher. Es dauerte im Frühjahr dadurch etwas länger bis die Pflanzen wieder in Schwung kamen, aber das nahm er gerne in kauf für etwa 20% Energieeinsparung.

Nun trug es sich zu, dass sich eines Wintertags ein anderer Kakteenfreund zu ihn gesellte und mit ihn über dies und das plauderte. Nach geraumer Zeit kam man auch auf die Noppenfolie und die Energieeinsparung zu sprechen. Der andere Kakteenfreund vertrat glaubhaft die Ansicht, dass man noch mehr Energie einsparen kann als nur 20%. Schließlich werben die Hersteller der Folien mit bis zu 35%. Er meinte, dass durch die Überlappung der Folie noch zuviel Wärme nach außen entweicht. Man müsse die Stöße mit einem Klebeband verschließen. Irgendwie leuchtete dies dem GWH - Besitzer ein und er nahm sich vor im darauf folgenden Winter die Stöße zusätzlich zu verkleben. 

Der nächste Winter kam und unser Kakteenfreund machte sein GWH winterfest, die Stöße wurden sorgfältig verklebt. Es sah toll aus. Das GWH war schön warm eingepackt, kein warmes Lüftchen konnte aus dem GWH entweichen. Die Vorfreude auf die kommende Energieabrechnung war größer als die Jahre davor.

Eines Tages - die Temperaturen draußen -10°C, im GWH +4°C - trat unser Kakteenfreund in sein GWH um wieder einmal nach dem Rechten zu sehen. Doch was er da sah erfreute ihn keineswegs. Es tropfte von der GWH - Decke wie in einen Regenwald. Er sah sich nichts Gutes ahnend im GWH um und fand zu seiner bösen Überraschung einen kindskopfgroßen Astrophytum capricorne mit einem ca.10cm großen Cephalium im Scheitel. Das kann doch nicht sein, dachte er und wühlte sich zu dem Astro durch. Was er da sah verschlug ihn fast den Atem. Das Cephalium war Grauschimmel wie man ihn auf keinen alten Brot besser finden kann. Schweren Herzens wurde der große Astro in der Mülltonne versenkt. Leider war das nicht die einzige Pflanze die in diesem Winter in den  Kakteenhimmel einging. Insgesamt hat unser Kakteenfreund ca. 250 Pflanzen eingebüßt. Alle Versuche die Nässe aus dem GWH zu bekommen blieben erfolglos.

In diesem Jahr hat unser Kakteenfreund ganz und gar auf die Noppenfolie verzichtet. Er hat sein GWH - Dach im Sommer mit neuen Dreifachstegplatten eingedeckt. Wie er sagt, hat er nicht einen einzigen Tropfen Kondenswasser im GWH gefunden. Er hat bis jetzt noch keine einzige Pflanze eingebüßt. Allerdings werden die Energiekosten wieder steigen, aber was soll´s.

Welches Hobby kostet kein Geld?

Also ist ein komplett abgedichtetes GWH auch nicht das Wahre. Man spart zwar Energie, gibt das gesparte Geld dann aber im Frühjahr für neue Pflanzen aus um die Verluste auszugleichen.

Die Wärme bleibt im GWH - die Nässe aber auch !!!